Schulstoff.net - Pro- und Contra-Argumente zur Sterbehilfe
 
 
 
 
 
Titel: Pro- und Contra-Argumente zur Sterbehilfe
Kategorie: Religion / Christliche Ethik

Ein heiß diskutiertes und auch im Ethik-/Religionsunterricht gern behandeltes Thema ist die Sterbehilfe. Im Folgenden sollen einige Argumente für und wider die Einführung von Sterbehilfe (aktiv/passiv) aufgelistet werden. Die Position christlicher Kirchen wurde miteinbezogen. Argumente, die nur für diejenigen Sinn ergeben, die eine christliche Perspektive zugrunde legen, wurden mit einem Ichthys-Symbol gekennzeichnet.

Pro:
  • Befürworter argumentieren, die Sterbehilfe erlaube ein sanftes Ableben und vermeide so unnötiges Leid (Schmerzen) am Ende schwerer Krankheiten.
  • Die heutzutage zur aktiven Sterbehilfe verwendeten Mittel seien sicher, schnell und zuverlässig.
  • Die Würde des Menschen lasse sich nicht dadurch gewährleisten, dass man ihn möglichst lange am Leben halte – egal, wie schlecht es ihm gehe, sondern indem man ihm unnötiges Leid und elendes Kranksein erspare.
  • Jeder solle selbstverantwortlich, unabhängig und frei über sich entscheiden können – auch über den Sterbezeitpunkt. Zum Recht auf Selbstbestimmtheit gehöre dies dazu.
  • Die Praxis der aktiven Sterbehilfe betreffe ohnehin nur todkranke Menschen, die auch ohne Sterbehilfe in kürzester Zeit sterben würden. Von einem zu großen Eingriff in den natürlichen Lebensweg könne also nicht die Rede sein.
  • Christliche Maßstäbe (siehe Contra-Argumente), die oft als Grundlage für eine Gegenargumentation herangezogen werden, dürften nicht für alle Menschen in einem modernen säkularen Staat verbindlich sein und könnten nur für den Einzelnen auf freiwilliger Basis eine Entscheidungshilfe, nicht aber eine Begründung für eine Rechtslage, darstellen. Beispielsweise Atheisten dürfe man nicht vorschreiben, sie müssten Gott die Entscheidung über den Sterbezeitpunkt überlassen oder wegen der sog. Gottesebenbildlichkeit des Menschen von Sterbehilfe Abstand nehmen.

Contra:
  • Komplikationen und dadurch verursachtes Leid / Schmerzen seien bei aktiver Sterbehilfe sehr wohl möglich und nicht auszuschließen.
  • Keine Diagnose sei zu 100% sicher. Viele bereits verloren geglaubte Menschen hätten sich auch von schweren Krankheiten wieder erholt oder seien durch eine überraschende Wendung wie etwa das Verfügbarwerden eines passenden Organtransplantats gerettet worden. Der Freitod durch Sterbehilfe sei aber endgültig und nicht revidierbar, wenn sich die Faktenlage ändere.
  • Sterben sei ein natürlicher Prozess, der zum Leben ganz selbstverständlich dazugehöre und nicht beeinflusst werden solle.
  • Es sei anmaßend, den Sterbezeitpunkt selbst festzulegen (Hybris).
  • Das Leben sei ein Geschenk Gottes (vgl. Externer Link!Gen 2,7), über das der Mensch nicht eigenmächtig, nach Gutdünken verfügen dürfe.
  • Der Umgang mit und die Rücksicht auf Kranke und Schwache sei ein Indikator für den Zivilisationsgrad einer Gesellschaft. Eine hoch entwickelte Gesellschaft müsse sie einbinden können.
  • Keine der Weltreligionen empfehle die Tötung Sterbender. ()
  • Ex 20,13: "Du sollst nicht töten" – auch nicht Kranke und Sterbende. (Externer Link!Ex 20,13)
  • Aufgrund der Gottesebenbildlichkeit des Menschen und seiner besonderen Stellung innerhalb der Schöpfung verfüge jeder über eine unbedingte Menschenwürde, die auch für Schwerstkranke gelte, sodass deren Tötung nicht zulässig sei.
  • Die geistlich gemeinte "Freiheit eines Christenmenschen", die Luther einst formulierte, sei kein Freibrief, alles tun und nach eigenem Ermessen auch töten zu dürfen (z.B. Ex 20,13).
  • Menschen seien verführbar und ließen sich zu einem unnötigen Sterbewunsch hinreißen (Medien / Umfeld).
  • Die Forderung nach Sterbehilfe sei Teil der Verdrängung von Leid und der Tabuisierung des Tods in einer leistungszentrierten Spaßgesellschaft.
  • Der von den Befürwortern hochgehaltene freie Wille sei nicht so frei, wie es den Anschein habe. Gäbe es die Möglichkeit, aktive Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen, könne aus der Möglichkeit schnell eine Verpflichtung (moralischer Zwang) werden. Betroffene wie etwa Pflegebedürftige könnten sich genötigt fühlen, die Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen, um der Gesellschaft oder den Angehörigen nicht zur Last zu fallen.
  • Die Sterbehilfe stelle einen Dammbruch für Willkür und Kostendruck dar. Sei die absolute Hochachtung vor dem Leben einmal aufgeweicht, könnten auch radikale, dem Kostendruck im Gesundheitswesen geschuldete Positionen wie "Keine Operationen mehr für Menschen über 70" schleichend Akzeptanz finden.
  • Manche Kritiker sähen in der aktiven Sterbehilfe, die in manchen Ländern sogar offiziell "Euthanasie" heiße, einen fatalen Vorstoß in die Richtung der "Vernichtung unwerten Lebens" im Nationalsozialismus: Wenn es erst einmal normal, also gesellschaftlich anerkannt, werde, dass Schwerkranke von Menschenhand den Tod fänden, so könnten, wie manche befürchten, als Nächstes zum Beispiel Schwerbehinderte an der Reihe sein.
  • Für die beteiligten Ärzte könnten sich Gewissenskonflikte ergeben. Einerseits sei es ihre per Eid bestätigte Aufgabe, Leben um jeden Preis zu retten. Das Töten von Patienten könne, selbst wenn diese dies als ihren Wunsch formulieren, für Ärzte ein schweres moralisches Problem darstellen.
  • Ferner sei es anmaßend, wenn Ärzte darüber entscheiden dürften, welche Patienten krank genug für Sterbehilfe seien, also die Ärzte eigenverantwortlich über Leben und Tod entschieden.
  • Zudem gebe es mit der Palliativmedizin und der Externer Link!Hospizbewegung überzeugende Alternativen für Betroffene. Würdiges Sterben sei so ohne Sterbehilfe möglich. Übermäßige Schmerzen ließen sich palliativmedizinisch weitgehend vermeiden.

Hinweis: Argumente, die explizit auf christlicher Ethik fußen, wurden mit einem Ichthys-Symbol () gekennzeichnet.

 
 
 
 
 
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