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Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg - Predigt |
Titel: Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg - Predigt
Kategorie: Religion / Exegese und bibl. Hermeneutik
Bei Matthäus findet sich das Gleichnis von der Arbeitern im Weinberg, eines der heutzutage bekanntesten biblischen Gleichnisse überhaupt. Das Gleichnis beschreibt, wie ein Weinbergsbesitzer früh morgens Tagelöhner anheuert. Mit ihnen vereinbart er einen Lohn von einem Silbergroschen. Im Laufe des Tages geht der Weinbergsbesitzer noch insgesamt drei Mal zum Markt und jedes Mal engagiert er weitere Tagelöhner, zum letzten Mal am Abend, denn selbst zu später Stunde warten noch einige dort, weil sie tagsüber von niemandem angestellt worden sind. Am Ende des Arbeitstages bezahlt der Besitzer den Lohn aus, entlohnt jedoch zuerst die zuletzt Gekommenen und zum Schluss die Arbeiter, die schon seit dem frühen Morgen bei ihm gearbeitet haben. Allen bezahlt er einen Silbergroschen als Tageslohn. Als die Arbeiter, die den ganzen Tag über für den Weinbergsbesitzer gearbeitet haben, das bemerken, entrüsten sie sich darüber, dass sie nicht mehr Lohn bekämen als die, die nur kurz gearbeitet und nicht die Last des ganzen Tages getragen hätten. Der Weinbergsbesitzer entgegnet aber, dass jeder das Vereinbarte erhalte und niemandem Unrecht getan werde und dass es ihm schließlich freistehe, mit seinem Besitz zu tun, was er möchte. Er stellt einem der verärgerten Arbeiter die Frage, ob sich dieser ärgere, nur weil der Besitzer gnädig sei.
Zu Zeiten der Entstehung des Gleichnisses war die Lebenssituation der einfachen Menschen eher schlecht. Viele lebten von der Hand in den Mund, wie die besagten Tagelöhner. Wurden sie an einem Tag nicht engagiert, bedeutete dies, dass die Familie, die i.d.R. hinter dem einzelnen Tagelöhner stand, am Hungertuch zu nagen hatte. Der Silbergroschen, der im Gleichnis erwähnt wird, entspricht dem Geldwert, der damals von Nöten war, um die Familie für einen weiteren Tag zu ernähren. Das Gleichnis hat also zwei Gruppen von Adressaten: Zum einen richtet es sich an die Habenden der damaligen Bevölkerung, wie der Weinbergsbesitzer dafür zu sorgen, dass auch die sozial schlecht Gestellten das haben, was sie zum Leben brauchen. Es handelt sich also um einen Appell, es im Diesseits dem Weinbergsbesitzer gleichzutun und unabhängig von einer kapitalistischen Kostennutzenrechnung dafür Sorge zu tragen, dass die Mitmenschen um einen herum ihr Auskommen haben. In solcher Güte, in dieser menschlichen Beziehung können wir das Reich Gottes als bereits im Diesseits aufflackernde Größe erkennen. Dieses Gleichnis dient also wie andere auch dazu, mit einer Geschichte, die jedem geläufig ist und von jedem nachvollzogen werden kann, einen abstrakten Sachverhalt, meist – wie auch hier – eine Erklärung zum Reich Gottes zu vermitteln.
Die zweite Gruppe von Adressaten des Gleichnisses sind Arbeiter, gewöhnliche Leute. Auch für sie hält das Gleichnis eine Handlungsaufforderung, eine sie persönlich betreffende Botschaft bereit: Die Menschen sollen sich davon lösen, dem anderen all das zu missgönnen, das man selbst nicht hat. Den allzu menschlichen Neid aufzugeben, sich am – auch unverdienten – Glück anderer erfreuen zu können, ist das, was das Gleichnis als Ausdruck des Himmelsreichs von jedem einzelnen fordert. Dabei handelt es sich aber nicht bloß um einen einseitigen Dienst, dem man ausschließlich dem anderen gegenüber zu erweisen hätte, nein, verhält man sich auf diese Weise, so befreit man sich selbst. Heute, wo die Situation in unserer industrialisierten, regulierten westlichen Welt eigentlich eine ganz andere ist und es eher ungewöhnlich ist, als Tagelöhner in einem Weinberg zu arbeiten, ist das Gleichnis noch von ebenso großer Aussagekraft und Bedeutsamkeit für jeden einzelnen. Die Botschaft besteht unverändert fort. Nächstenliebe und Solidarität mit seinen Mitmenschen sind keine Bedürfnisse einer längst überkommenen Welt von vor Tausenden von Jahren: Heute, vielleicht ein paar Häuser entfernt, wohnen vielleicht Familien, die ihren Kindern täglich nicht einmal eine warme Mahlzeit bieten können, die sogar darauf angewiesen sein können, dass Menschen, denen es besser geht, z.B. in Suppenküchen oder einer der sog. Tafeln helfen. Der Appell, sich darum zu bemühen, dass jeder Grundsicherung hat, ist vor diesem Hintergrund brandaktuell. Außerdem: Auch die zweite Aussagerichtung des Gleichnisses lässt sich unmittelbar auf heutige Verhältnisse beziehen: Wenn man sich so verhält, wie es in dem Gleichnis anklingt, wenn es einem gelingt, sich am Glück anderer zu freuen, selbst dann, wenn es unverdient ist, befreit man sich selbst. In Zeiten von Globalisierung, internationalem Wettbewerb und Effizienzsteigerungen bis zum geht nicht mehr ist Leistungsdruck, den sich die Menschen zu einem bedeutenden Teil selbst auferlegen, ein enormes Problem. Immer haben zu müssen, in ständiger Konkurrenz zum Nachbarn zu stehen, der schon wieder ein neues Auto hat kaufen können, weil er beim Ankreuzen der Lottozahlen mehr Glück als Verstand – wie man landläufig so oft sagt - gehabt hat, während man selbst Bus und Bahn zu benutzen hat, obwohl man selbst ja auch – oder gar noch mehr – arbeitet als eben dieser Nachbar, das belastet viele Menschen. Kann man sich aber darüber freuen, dass der Nachbar sich ein neues Auto hat kaufen können, gelingt es einem, dem anderen sein Glück zu gönnen, zu denken, ja, es ist schön, wenn Menschen Glück haben, auch wenn dieses Mal nicht ich an der Reihe bin, dann tut man nicht in der erster Linie dem Nachbarn oder irgendjemand anderem einen Gefallen, sondern insbesondere sich selbst. Eine innere Zufriedenheit, die Loslösung von ständigem, aus der Wirtschaftswelt bekanntem Aufrechnen von Erfolg oder Glück im Allgemeinen, kann eine befreiende Wirkung entfalten. Und daher glaube ich, dass man ganz anders, viel gelassener durch den Alltag gehen kann, wenn man dies berücksichtigt.
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| Aus dem Lexikon |
Zeugiten
Die Zeugiten bilden die dritte der vier Zensusklassen zu Zeiten der attischen Demokratie der antiken Athener Polis. Weitere Informationen finden sich im Artikel Zensusklassen. [Mehr lesen]

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