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Titel: Offene und geschlossene Form des Dramas
Kategorie: Deutsch / Dramatik und Epik

Im Folgenden sind Merkmale der offenen und geschlossenen Form des Dramas stichwortartig aufgeführt. Die Einteilung von Dramen in die offene und geschlossene Form geht auf Volker Klotz zurück. Beim Drama handelt es sich um eine literarische Gattung, deren Texte verteilte Rollen (Dialoge) aufweisen.

Geschlossene Form
  • Eindeutige Haupthandlung (Einsträngigkeit, Nebenhandlungen ohne Eigengewicht)
  • Handlung linear und kontinuierlich, kausal verknüpft (aufeinander aufbauend), in einer Entwicklung auf einen bestimmten Schluss hinstrebend
  • Personenkette
  • knappe Raum-, Zeit- und Geschehnisspanne
    • in etwa Kongruenz von Spielzeit und gespielter Zeit
    • Zeitkontinuität
  • Ortswechsel: Unterbrechung der Zeit- und Handlungskontinuität
  • Einheitlich neutraler Rahmen (Raum): Oft durchgängig höfisch-arkadische Umgebung
  • geringe Anzahl an Personen
  • Ständische Beschränkung (Externer Link!Ständeklausel)
  • Personen = oft Vertraute der Hauptperson
  • Rededuelle basierend auf Vers und Gegenvers
  • Regelhafte Ordnung: Symmetrie, Zweipoligkeit, Antithetik der Personen (Protagonist und Antagonist), 5-Akt-Schema
  • Blankvers (5-hebiger reimloser Jambus)
  • vorwiegend hypotaktische Syntax
  • Werkbeispiel: Externer Link!Schillers "Maria Stuart" (Link zum Buch bei Amazon, Alternative)
Offene Form
  • "Vielheit" / "Dispersion": Mehrere gleichberechtigte Handlungsstränge
    (Externer Link!"Polymethie")
  • Diskontinuität
  • Kompositionsmittel:
    • Komplementäre Stränge:
      • Kollektivstrang
      • Privatstrang
    • Metaphorische Verklammerung (Wiederauftauchen bestimmter Leitmotive wie "Messer" oder "Immer zu!" in Externer Link!Büchners Woyzeck)
    • Zentrales Ich: Einheit der Figur statt Einheit der Handlung
  • weite Zeiterstreckung der Handlung
  • keine räumliche Kontinuität
  • Ortswechsel: Enger/weiter Raum => Raum aktiv beteiligt, charakterisierend
  • große Anzahl an Personen
  • keine Ständebeschränkung: Gespräche zwischen Höher- und Niedriggestellten möglich und gewollt
  • Hauptfigur oft niedrig gestellt (etwa Externer Link!Bücherns Woyzeck, der mittellose Stadtsoldat)
  • verschiedene Berufs- und Standessprachen (verschiedene Externer Link!Soziolekte, Jargon, spontane Äußerungen, ...)
    Beispiel: Büchners Woyzeck – Vergleich der Sprache Woyzecks und der des Doktors
  • Sprechen ist nicht vorrangig das Ergebnis von Reflexion sondern Assoziation (augenblicks- und situationsverhaftet)
  • Geschehen fängt unvermittelt an und endet unvermittelt: Keine Exposition, Einführung der Figuren mit ihrer Vorgeschichte
  • größere Bedeutung der Szenen, Akteinteilung weniger wichtig
  • Autonomie der Szene, Selbstständigkeit


Weblinks:
Externer Link!Tabellarische Gegenüberstellung der Formtypen

 
 
 
 
RGT-Regel

Bei der RGT-Regel handelt es sich um eine Faustregel zur Beschreibung des Verhältnisses von [...] [Mehr lesen]


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