Schulstoff.net - Faust I - Charakterisierung zu Marthe
 
 
 
 
Titel: Faust I - Charakterisierung zu Marthe
Kategorie: Deutsch / Dramatik und Epik

Marthe, Gretchens Nachbarin (V. 2858), stellt in Goethes Faust I die idealtypische Kontrastfigur zur frommen, integren und schlichten Margarete dar. Die Figur wird eingeführt, als Gretchen abermals ein ominöses, wertvolles Geschenk vorfindet. Nachdem sie beim ersten Geschenkfund die Mutter zu Rate gezogen hat, wie sie mit dem Geschenk zu verfahren habe, wendet sich Gretchen beim zweiten Mal an ihre Nachbarin Marthe. Diese erscheint dem Leser als gierige, religiös und moralisch ungebundene sowie bestimmende Person. Im Gegensatz zur Mutter, die Gretchen anempfohlen hatte, den geschenkten Schmuck der Kirche zu stiften, um Himmelslohn dafür zu ernten, ist Marthe begeistert von dem Geschmeide und ist von der Vorstellung, es ebenfalls der Kirche angedeihen zu lassen, weit entfernt. Marthe ist gierig und hängt am Materiellen, sie betrachtet einen derartigen Besitzzuwachs als großes Glück (V. 2882). Um ihre Ziele durchzusetzen, ist Marthe zudem bereit, mit Moral und religiösen Weisungen zu brechen, indem sie warnt:
„Das muss Sie nicht der Mutter sagen; / Tät’s wieder gleich zur Beichte tragen. [...] Die Mutter sieht’s wohl nicht, man macht ihr auch was vor.“ (V. 2879-2880, V. 2892)
Über Gretchens Bedenken setzt sich Marthe hinweg; gerissen formuliert sie postwendend eine Strategie, wie sich der obskure Schmuck dezent in den Alltag einschmuggeln lässt (V. 2886, „heimlich“). Ihre Wesensart wird auch später dadurch deutlich, dass sie, nachdem Mephisto ihr erzählt, ihr Mann sei tot, gleich nach etwaigen monetären Hinterlassenschaften fragt und enttäuscht, ja sogar garstig reagiert, als dieser mitteilt, dass ihr Mann ihr nichts dergleichen hinterlassen habe (V. 2933). Der flüchtige Schock über das vermeintliche Ableben des Gatten weicht schnell der Verärgerung über den ausgebliebenen materiellen Gewinn.
Andererseits ist Marthe auch als gestandene, doch desillusionierte Frau auszumachen, die ihren Alltag allein (V. 2868) bestreitet. Verklärte Romantik und jung-naives Verliebtsein scheinen ihr (längst) fremd zu sein. Sie denkt pragmatisch und am realistisch Machbaren orientiert.
Marthe ist vornherein empfänglich für Mephisto, dessen Schmeicheleien und sein gesamtes Gehabe, während Gretchen sich deutlich reserviert zeigt. Als Mephisto eine Hochzeit Gretchens andeutet, wehrt diese sofort ab, „das geht jetzt noch nicht an“ (V. 2945). Marthe aber ist ein dankbares Opfer für Mephisto und versucht sogar, diesen näher kennen zu lernen (V. 3153-3154). Mephisto lobt begeistert: „Das ist ein Weib wie auserlesen / Zum Kuppler- und Zigeunerwesen!“ (V. 3029) So passt Marthe optimal in Mephistos Plan und begegnet ihm ohne größere Vorbehalte, während er Gretchen, auf deren Manipulation er es eigentlich abgesehen hat, nicht erreicht. Diese ist nämlich musterfromm und traditionell religiös (V. 2949) verwurzelt, ein Sinnbild von Reinheit und Tugendhaftigkeit und entzieht sich somit Mephistos Einfluss.

 
 
 
 
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