Schulstoff.net - Interpretation zur Kurzgeschichte "Die Aussage" von Günther Weisenborn
 
 
 
 
Titel: Interpretation zur Kurzgeschichte "Die Aussage" von Günther Weisenborn
Kategorie: Deutsch / Dramatik und Epik

Interpretation der Kurzgeschichte „Die Aussage“

In der Kurzgeschichte „Die Aussage“ von Günther Weisenborn aus dem Jahr 1947 geht es um einen Inhaftierten der Gestapo, der mit seiner Aussage einen anderen Häftling belastet hat.

Die Geschichte beginnt damit, dass ein Inhaftierter eines Gestapogefängnisses versucht, mittels Klopfzeichen Kontakt zu seinem Zellennachbarn „K.“, der ihn durch seine Aussage belastet hat, aufzunehmen. Der Klopfzeichengeber ist verzweifelt, hängt doch sein Leben davon ab, dass der Zellennachbar seine Aussage zurücknimmt. Die Kommunikation gestaltet sich schwierig, da zum einen ständig ein Wächter die Häftlinge überwacht und zum anderen „K.“ die Klopfzeichen nicht versteht. Erst nach einer ganzen Weile versteht der Zellennachbar die Signalsprache und klopft eine Bestätigung zurück. Der Inhaftierte, der die Kommunikationsversuche begonnen hat, bittet durch Klopfzeichen „K.“, dem die Todesstrafe bereits sicher bevorzustehen scheint, seine Aussage zurückzunehmen, da dem Belasteten sonst ebenfalls der Tod droht. „K.“ kündigt an, die Aussage zurückzunehmen und somit nicht die Wahrheit zu sagen und bittet um eine Bleistiftspitze, um dies schriftlich tun zu können. Die Gelegenheit eines Spaziergangs nutzt der Inhaftierte, um „K.“ wie abgesprochen heimlich eine Bleistiftspitze zukommen zu lassen. Etwas später klopft ihm „K.“ durch die Wand, dass er seine Aussage zurückgenommen habe. Der Inhaftierte ist erleichtert und bangt um sein weiteres Schicksal. Sicher ist seine Rettung nämlich noch nicht.

„Die Aussage“ ist eine mustergültige Kurzgeschichte. Sie verfügt über alle typischen Charakteristika einer Kurzgeschichte wie z. B. der plötzliche Beginn und das offene Ende. Der Leser platzt ins Geschehen hinein: Gleich im ersten Satz wird er damit konfrontiert, dass der Ich-Erzähler, der dem Leser gegenüber keinen Wissensvorsprung hat und sich ganz im Gegenteil mitten im Geschehen befindet, „um sein Leben klopft“. Erst innerhalb der Geschichte kann sich der Leser allmählich den Zusammenhang und die Situation erschließen, in die ihn die Kurzgeschichte hineinversetzt. Auch das Ende bleibt offen, der Leser erfährt nicht mehr, ob die Rückname der Aussage durch „K.“ dem Ich-Erzähler letztlich wirklich das Leben gerettet hat. Diese Ungewissheit wird durch das einzelne Schlusswort „Vielleicht.“ verdeutlicht. Durch die kurzen Sätze gewinnt die Handlung an Schnelligkeit und die Anspannung der Figuren sticht hervor, die so niedergeschriebenen Gedanken wirken authentisch. Ein Hineinversetzen in die prekäre Lage der Hauptperson ist leicht möglich. Die Atmosphäre ist unheimlich und bedrohlich. Neben dem Damoklesschwert der NS-Willkürjustiz, das über dem Angeklagten und „K.“ permanent schwebt, sorgt die Erwähnung der ständigen Kontrollen durch die Gestapowächter für eine weitere Zuspitzung. Auf Rückblenden oder Vorausdeutungen verzichtet die Geschichte, viel mehr hat man den Eindruck, man lese eine Art Gedächtnisprotokoll. Unklar bleibt bis zum Schluss das Verhältnis der beiden Inhaftierten zueinander. Durch welche Geschehnisse sie in ihre Situation gekommen sind und inwiefern sie sich kennen, erfährt der Leser nicht. Auch über die Konsequenzen für „K.“, die sich aus seinem Widerruf ergeben könnten, bleibt der Leser im Ungewissen.

Die Geschichte wurde in der frühen Nachkriegszeit verfasst, in einer Zeit, als die Schrecken des zweiten Weltkriegs und des Unheilsregimes der Nazis noch tief saßen. Davon ausgehend, dass es sich bei dem Ich-Erzähler und „K.“ um politisch Verfolgte handelt, zeigt die Geschichte auf, wie auch die einheimische Bevölkerung unter dem NS-Terrorregime zu leiden hatte. Menschen, die sich mit der nationalsozialistischen Ideologie nicht anfreunden konnten, sei es aus religiöser, moralischer oder politischer Überzeugung, wurden als Vaterlandsverräter diffamiert und bezahlten ihre Meinung nicht allzu selten mit dem Tod. Einen Rechtsstaat, eine funktionierende Gewaltenteilung oder überhaupt Grundrechte hat es für die Menschen in Nazi-Deutschland nicht gegeben. In der heutigen Zeit ist die Geschichte meiner Meinung nach als Mahnung zu verstehen. Der glückliche Umstand, dass wir heute in einem Rechtsstaat mit unverwirkbaren Grundrechten für die Bürger und einem Gesetzmäßigkeitsgrundsatz (vgl. Art. 20 III GG) leben, ist nämlich keineswegs selbstverständlich.

 
 
 
 
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